Mehrere Maschinenstandorte lassen sich per VPN erreichen, indem jeder Standort über einen VPN-Router oder ein VPN-Gateway an ein gemeinsames privates Netzwerk angebunden wird. Der Fernzugriff auf Steuerungen, SPS-Systeme und Anlagen erfolgt dann verschlüsselt über diesen gesicherten Tunnel. Allerdings zeigt die Praxis, dass klassische VPN-Lösungen bei wachsender Standortanzahl schnell an ihre Grenzen stoßen. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um VPN im industriellen Umfeld und zeigt, welche Alternativen heute zur Verfügung stehen.
Warum ist der Fernzugriff auf mehrere Standorte technisch anspruchsvoll?
Der Fernzugriff auf mehrere Maschinenstandorte ist technisch anspruchsvoll, weil jeder Standort eine eigene Netzwerkinfrastruktur, eigene Sicherheitsanforderungen und oft unterschiedliche Steuerungssysteme mitbringt. Je mehr Standorte verbunden werden sollen, desto komplexer wird die Verwaltung der Verbindungen, Zugriffsrechte und Netzwerkkonfigurationen.
In der industriellen Praxis treffen Sie häufig auf gewachsene Anlagenlandschaften: Ältere Steuerungen kommunizieren über proprietäre Protokolle, neuere Systeme nutzen OPC-UA oder Modbus, und dazwischen liegen oft unterschiedliche Netzwerksegmente mit eigenen Firewalls. Jeder Standort hat möglicherweise einen anderen Internetanbieter, unterschiedliche Bandbreiten und keine statische IP-Adresse.
Hinzu kommt die Sicherheitsfrage. Industrieanlagen sind zunehmend Ziel von Cyberangriffen. Ein Fernzugriff, der nicht sauber abgesichert ist, öffnet potenziell das gesamte Produktionsnetzwerk für unbefugte Zugriffe. Gleichzeitig müssen Techniker im Servicefall schnell und unkompliziert auf eine Steuerung zugreifen können, ohne erst aufwendige Konfigurationen vornehmen zu müssen. Diese Kombination aus Sicherheit, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit macht den Fernzugriff auf viele Standorte zu einer echten technischen Herausforderung.
Wie funktioniert ein VPN für industrielle Maschinenstandorte?
Ein VPN für industrielle Maschinenstandorte baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen dem Techniker-Endgerät und dem Netzwerk am Maschinenstandort auf. Über diesen Tunnel kann der Techniker auf Steuerungen, SPS-Systeme und andere Netzwerkgeräte zugreifen, als wäre er physisch vor Ort.
Technisch funktioniert das in der Regel so: Am Maschinenstandort wird ein VPN-Router oder ein VPN-fähiges Gateway installiert. Dieser Router baut eine Verbindung zu einem zentralen VPN-Server auf oder wartet auf eingehende Verbindungsanfragen. Der Techniker verbindet sich mit einem VPN-Client auf seinem Laptop oder Tablet mit diesem Server und erhält anschließend Zugriff auf das lokale Netzwerk des Standorts.
Für die SPS-Fernwartung bedeutet das konkret: Sie können Ihre gewohnte Programmierumgebung, etwa TIA Portal oder CODESYS, nutzen und sich auf die Steuerung aufschalten, als säßen Sie direkt davor. Programmupdates, Diagnosen und Parametrierungen sind über die VPN-Verbindung genauso möglich wie vor Ort. Voraussetzung ist in den meisten Fällen eine statische IP-Adresse oder ein dynamischer DNS-Eintrag am Standort sowie eine entsprechende Portfreigabe in der Firewall.
Was sind die Nachteile von VPN bei vielen Maschinenstandorten?
Die größten Nachteile von VPN bei vielen Maschinenstandorten sind der hohe Konfigurationsaufwand, die Abhängigkeit von statischen IP-Adressen und die wachsende Komplexität der Netzwerkverwaltung. Mit jedem zusätzlichen Standort steigt der administrative Aufwand überproportional.
Im Einzelnen stoßen Sie bei klassischen VPN-Lösungen auf folgende Probleme:
- Statische IP-Adressen oder dynamisches DNS: Viele Industriestandorte verfügen nicht über eine feste IP-Adresse. Dynamische DNS-Dienste sind eine Umgehungslösung, aber sie müssen konfiguriert, gewartet und überwacht werden.
- Firewall- und Port-Konfiguration: Für jede VPN-Verbindung müssen Ports freigegeben werden. In restriktiven Netzwerkumgebungen, etwa in Industriebetrieben mit strengen IT-Richtlinien, ist das oft nicht ohne Weiteres möglich.
- Skalierbarkeit: Zehn Standorte lassen sich noch manuell verwalten. Bei fünfzig oder hundert Standorten wird die Pflege von Zertifikaten, Zugangsdaten und Netzwerkkonfigurationen zu einem Vollzeitjob.
- Sicherheitsrisiko bei kompromittierten Zugangsdaten: Gelingt es einem Angreifer, VPN-Zugangsdaten zu entwenden, erhält er Zugriff auf das gesamte private Netzwerk des Standorts. Im schlimmsten Fall kann er direkt auf Steuerungsprogramme zugreifen und erheblichen Schaden anrichten.
- Wartungsaufwand: VPN-Infrastruktur muss regelmäßig aktualisiert, Zertifikate müssen erneuert und Verbindungen müssen überwacht werden. Das bindet IT-Ressourcen, die in vielen Maschinenbauunternehmen ohnehin knapp sind.
Für einzelne Standorte oder kleine Installationen ist VPN eine bewährte Lösung. Bei wachsender Standortanzahl überwiegen jedoch schnell die Nachteile gegenüber dem Nutzen.
Welche Alternativen zu VPN gibt es für den Fernzugriff auf Maschinen?
Die wichtigste Alternative zu VPN für den Fernzugriff auf Maschinen ist eine cloudbasierte Fernzugriffslösung, bei der die Steuerung selbst eine ausgehende Verbindung zu einem zentralen Cloud-Server aufbaut. Weitere Alternativen sind VNC-basierter Fernzugriff und das direkte Routing von lokalen Webvisualisierungen über die Cloud.
Cloudbasierter Fernzugriff über ausgehende Verbindungen
Bei diesem Ansatz initiiert die Maschinensteuerung selbst eine ausgehende Verbindung zu einem Cloud-Server. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Ausgehende Verbindungen werden von den meisten Firewalls ohne zusätzliche Konfiguration zugelassen. Sie benötigen weder eine statische IP-Adresse noch einen DNS-Eintrag noch eine Portfreigabe. Der Cloud-Server fungiert als Vermittler zwischen dem Techniker und der Steuerung vor Ort.
Dieser Ansatz eignet sich besonders gut für Szenarien mit vielen verteilten Standorten, da die Konfiguration am Standort auf ein Minimum reduziert wird. Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten für sicheren Fernzugriff finden Sie in unserem Vergleichsartikel zu VPN, VNC und Visu-Routing.
VNC-Fernzugriff auf Panels und HMIs
VNC ermöglicht es, den Bildschirminhalt eines entfernten Panels oder Computers in eine zentrale Oberfläche zu integrieren. Mausbewegungen und Tastatureingaben werden übertragen, sodass Sie das Panel bedienen können, als säßen Sie direkt davor. Viele Panels, etwa Siemens Basic HMI oder Eaton XV, unterstützen VNC bereits ab Werk, was die Einrichtung auf wenige Minuten reduziert.
Routing lokaler Webvisualisierungen
Moderne Automatisierungssysteme bieten häufig eine HTML-basierte Visualisierung, die im lokalen Netzwerk erreichbar ist. Über einen Cloud-Adapter lässt sich diese Webvisualisierung sicher nach außen zugänglich machen, ohne das gesamte Netzwerk zu öffnen. Der Zugriff erfolgt verschlüsselt und über eine zentrale Benutzerverwaltung mit Multifaktorauthentifizierung.
Wann ist VPN die richtige Wahl, und wann nicht?
VPN ist die richtige Wahl, wenn Sie vollständigen Netzwerkzugriff auf einen Standort benötigen, etwa um SPS-Programme zu aktualisieren oder auf mehrere Geräte im lokalen Netzwerk zuzugreifen. VPN ist weniger geeignet, wenn Sie viele Standorte skalierbar und mit minimalem Konfigurationsaufwand verbinden möchten.
VPN empfiehlt sich konkret in diesen Situationen:
- Sie müssen direkt mit der SPS-Programmierumgebung auf eine Steuerung zugreifen und Programmupdates einspielen.
- Sie benötigen Zugriff auf mehrere verschiedene Geräte im lokalen Netzwerk eines Standorts gleichzeitig.
- Die IT-Infrastruktur am Standort erlaubt eine saubere VPN-Konfiguration mit statischer IP oder dynamischem DNS.
- Sie verwalten eine überschaubare Anzahl von Standorten, bei der der Konfigurationsaufwand noch vertretbar ist.
VPN ist weniger geeignet, wenn:
- Sie Dutzende oder Hunderte von Standorten verwalten und die Skalierung des Konfigurationsaufwands nicht tragbar ist.
- Die Standorte keine statischen IP-Adressen haben und die Netzwerkumgebung restriktiv ist.
- Sie primär Prozessdaten überwachen und visualisieren möchten, ohne tiefen Netzwerkzugriff zu benötigen.
- Sicherheitsanforderungen verlangen, dass der Zugriff auf einzelne freigegebene Ressourcen beschränkt bleibt, anstatt das gesamte Netzwerk zu öffnen.
Die Entscheidung hängt letztlich vom konkreten Anwendungsfall ab. Für die reine Maschinenüberwachung und Fernvisualisierung ist VPN oft überdimensioniert. Für die aktive SPS-Fernwartung mit Programmierzugriff bleibt es eine bewährte Option.
Wie lassen sich viele Standorte ohne VPN sicher verbinden?
Viele Maschinenstandorte lassen sich ohne VPN sicher verbinden, indem jede Steuerung eine ausgehende, verschlüsselte Verbindung zu einem zentralen Cloud-Dienst aufbaut. Der Cloud-Dienst übernimmt die Vermittlung zwischen den Standorten und dem Techniker, ohne dass Portfreigaben, statische IP-Adressen oder aufwendige Netzwerkkonfigurationen notwendig sind.
Dieser Ansatz bietet gegenüber klassischen VPN-Lösungen mehrere praktische Vorteile. Die Steuerung initiiert ausschließlich ausgehende Verbindungen, was in den meisten Netzwerkumgebungen ohne Anpassung der Firewall funktioniert. Der Zugriff des Technikers ist technisch auf die Ressourcen beschränkt, die explizit freigegeben wurden. Selbst wenn Zugangsdaten kompromittiert werden, ist ein direkter Eingriff in das Steuerungsprogramm nicht möglich, da der Zugriff auf Datenpunktebene kontrolliert wird.
Für die Machine-to-Machine-Kommunikation zwischen Standorten eröffnet dieser Ansatz zusätzliche Möglichkeiten: Produktionsanlagen können über Standortgrenzen hinweg Daten austauschen, dezentrale Energieerzeuger lassen sich zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenschalten, und selbst mobile Objekte wie Fahrzeuge oder Schiffe können über Mobilfunk in das Netzwerk eingebunden werden. Die Aktualisierung der Datenpunkte erfolgt im Sekundentakt bei gleichzeitig sehr geringem Datenvolumen.
Für Szenarien, in denen Sie dennoch vollständigen Netzwerkzugriff benötigen, etwa um SPS-Programme direkt aus der Programmierumgebung heraus zu aktualisieren, lässt sich eine integrierte VPN-Funktion gezielt aktivieren. Zwei Klicks genügen, um eine VPN-Verbindung herzustellen. Anschließend können Sie alle Geräte im freigegebenen Netzwerk erreichen, ohne Port-Forwarding oder DNS-Konfiguration. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite zum VPN-Fernzugriff über die Cloud.
Wie wir bei AnyViz den Fernzugriff auf viele Standorte lösen
Wir bei AnyViz haben eine Plattform entwickelt, die genau die Herausforderungen adressiert, die beim Fernzugriff auf viele Maschinenstandorte entstehen. Unser Ansatz kombiniert cloudbasierte Konnektivität mit einer integrierten VPN-Funktion, sodass Sie für jeden Anwendungsfall die passende Zugriffstiefe wählen können.
Was wir konkret für Sie bereitstellen:
- Keine statischen IP-Adressen notwendig: Jede Steuerung baut eine ausgehende Verbindung zur AnyViz Cloud auf. Firewall-Anpassungen oder DNS-Konfigurationen entfallen.
- Integrierter VPN-Zugriff auf Knopfdruck: Wenn Sie vollständigen Netzwerkzugriff benötigen, aktivieren Sie die VPN-Funktion direkt im Cloud Adapter. Zwei Klicks genügen, um sich mit dem lokalen Netzwerk zu verbinden und SPS-Programme zu aktualisieren.
- Granulare Zugriffskontrolle: Der Zugriff ist technisch auf die freigegebenen Ressourcen begrenzt. Ein kompromittiertes Konto öffnet nicht das gesamte Netzwerk.
- Skalierbar für viele Standorte: Ob zehn oder hundert Standorte, die Konfiguration am Standort bleibt minimal. Neue Standorte sind in wenigen Minuten angebunden.
- Unterstützung gängiger Protokolle: OPC-UA, Modbus, Siemens TCP, Beckhoff ADS, EtherNet/IP, BACnet und weitere Protokolle werden unterstützt, sodass Sie bestehende Steuerungslandschaften ohne Umprogrammierung einbinden können.
- Datenspeicherung in europäischen Rechenzentren: Ihre Daten werden redundant in zwei europäischen Rechenzentren gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben.
Entwickelt von der Mirasoft GmbH & Co. KG, richtet sich AnyViz an Automatisierungstechniker und SPS-Programmierer, die praktische Lösungen ohne aufwendige IT-Projekte suchen. Wenn Sie die Plattform selbst ausprobieren möchten, können Sie sich jetzt kostenlos registrieren und alle Funktionen testen.

