Für den Fernzugriff auf technische Anlagen stehen heute mehrere Ansätze zur Verfügung: klassische VPN-Lösungen, Cloud-basierte Fernüberwachungsplattformen, direkte Protokollverbindungen sowie spezialisierte Fernwirklösungen. Welche Methode am besten passt, hängt von der Anlagenstruktur, den Sicherheitsanforderungen und dem gewünschten Funktionsumfang ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um industriellen Fernzugriff und helfen Ihnen, die richtige Entscheidung für Ihre Anlage zu treffen.
Welche Arten von Fernzugriff werden in der Industrie unterschieden?
In der Industrie unterscheidet man grundsätzlich zwischen vier Arten des Fernzugriffs auf technische Anlagen: VPN-basierter Netzwerkzugriff, Cloud-basierte Fernüberwachungsplattformen, direkte Protokollverbindungen über das Internet sowie proprietäre Fernwirklösungen einzelner Steuerungshersteller. Jede dieser Methoden verfolgt einen anderen Ansatz und eignet sich für unterschiedliche Anforderungen.
VPN-basierter Fernzugriff
Beim VPN-Zugriff wird ein verschlüsselter Tunnel zwischen dem Endgerät des Technikers und dem lokalen Netzwerk der Anlage aufgebaut. Der Nutzer arbeitet dabei so, als wäre er physisch vor Ort. Diese Methode eignet sich besonders für Wartungsaufgaben, bei denen direkter Zugriff auf Steuerungsprogramme oder Netzwerkdienste erforderlich ist.
Cloud-basierte Fernüberwachung
Cloud-Plattformen verbinden Steuerungen über einen lokalen Adapter mit einem zentralen Server. Prozessdaten werden in Echtzeit übertragen, visualisiert und gespeichert. Der Zugriff erfolgt über einen Webbrowser oder eine App, ohne dass Ports in der Firewall geöffnet werden müssen. Diese Methode eignet sich besonders für die kontinuierliche Überwachung mehrerer Standorte.
Direkte Protokollverbindungen und Herstellerlösungen
Einige Steuerungen bieten native Fernzugriffsfunktionen über standardisierte Protokolle wie OPC UA oder MQTT. Daneben existieren proprietäre Lösungen einzelner Hersteller, die speziell auf deren Steuerungsplattformen zugeschnitten sind. Diese Ansätze sind oft leistungsfähig, aber weniger flexibel, wenn verschiedene Hersteller und Protokolle kombiniert werden müssen.
Wie funktioniert der Fernzugriff über VPN?
VPN steht für Virtual Private Network. Bei einem VPN-Fernzugriff auf eine technische Anlage baut ein Client-Programm auf dem Endgerät des Nutzers eine verschlüsselte Verbindung zu einem VPN-Router im Anlagennetzwerk auf. Nach der Authentifizierung erhält der Nutzer eine virtuelle IP-Adresse im lokalen Netzwerk und kann auf alle freigegebenen Geräte zugreifen, als wäre er direkt vor Ort.
Technisch gesehen benötigt eine klassische VPN-Lösung auf der Anlagenseite einen VPN-Router oder eine Firewall mit VPN-Funktion, eine feste IP-Adresse oder einen dynamischen DNS-Eintrag sowie eine entsprechende Konfiguration der Netzwerkinfrastruktur. Auf der Nutzerseite ist ein VPN-Client erforderlich, der mit dem Gegenstück auf der Anlagenseite kompatibel ist.
Gängige VPN-Protokolle im industriellen Umfeld sind OpenVPN, IPsec und WireGuard. Sie unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Konfigurationsaufwand und Kompatibilität. OpenVPN gilt als bewährt und weit verbreitet, WireGuard als moderner und performanter Ansatz.
Ein wichtiger Aspekt: VPN gewährt nach erfolgreicher Anmeldung in der Regel Zugriff auf das gesamte freigegebene Netzwerksegment. Das bedeutet, dass die Zugangsdaten besonders sorgfältig geschützt werden müssen, da ein Angreifer mit gestohlenen Credentials potenziell auf alle Geräte im Netzwerk zugreifen kann.
Was ist der Unterschied zwischen VPN und Cloud-basiertem Fernzugriff?
Der wesentliche Unterschied zwischen VPN und Cloud-basiertem Fernzugriff liegt im Architekturansatz: VPN stellt eine direkte Netzwerkverbindung zur Anlage her und gibt dem Nutzer breiten Netzwerkzugriff. Eine Cloud-Plattform hingegen überträgt gezielt definierte Prozessdaten an einen zentralen Server und beschränkt den Zugriff technisch auf freigegebene Datenpunkte und Funktionen.
Daraus ergeben sich praktische Unterschiede in mehreren Bereichen:
- Einrichtungsaufwand: VPN erfordert feste IP-Adressen, DNS-Konfiguration, Router-Einstellungen und laufende Wartung. Cloud-Lösungen verbinden sich über ausgehende Verbindungen ohne Portfreigaben und sind oft in wenigen Minuten betriebsbereit.
- Sicherheitsprofil: Bei VPN kann ein Angreifer mit gestohlenen Zugangsdaten das gesamte Netzwerk erreichen. Bei Cloud-Plattformen ist der Zugriff auf freigegebene Ressourcen begrenzt, das Steuerungsprogramm selbst bleibt unerreichbar.
- Funktionsumfang: VPN ermöglicht vollständigen Netzwerkzugriff, eignet sich also für Programmierupdates und tiefe Wartungseingriffe. Cloud-Plattformen bieten darüber hinaus Visualisierung, Alarmierung, Datenhistorie und Reporting, die über reinen Netzwerkzugriff hinausgehen.
- Skalierbarkeit: Mehrere Standorte über VPN zu verwalten bedeutet mehrfachen Konfigurationsaufwand. Cloud-Lösungen zentralisieren alle Standorte in einer Oberfläche ohne zusätzliche Infrastruktur.
In der Praxis schließen sich beide Ansätze nicht aus. Viele Betreiber nutzen eine Cloud-Plattform für die tägliche Überwachung und schalten bei Bedarf eine VPN-Verbindung für tiefgreifende Wartungsarbeiten hinzu.
Welche Protokolle werden für den industriellen Fernzugriff benötigt?
Für den industriellen Fernzugriff auf technische Anlagen sind zwei Protokollebenen relevant: Kommunikationsprotokolle zwischen Steuerung und Fernzugriffssystem sowie Übertragungsprotokolle für die sichere Datenübermittlung über das Internet. Auf der Steuerungsebene dominieren OPC UA, Modbus, Siemens TCP, Beckhoff ADS, EtherNet/IP, BACnet, M-Bus, CODESYS und MQTT.
OPC UA hat sich als herstellerübergreifender Standard für den sicheren Datenaustausch in der Industrie etabliert. Es unterstützt strukturierte Datenmodelle, integrierte Sicherheitsmechanismen und eignet sich für komplexe Anlagenstrukturen. Modbus ist dagegen ein älteres, aber weit verbreitetes Protokoll, das besonders in der Energietechnik und bei einfacheren Steuerungen anzutreffen ist.
MQTT gewinnt im industriellen IoT-Umfeld zunehmend an Bedeutung. Das leichtgewichtige Publish-Subscribe-Protokoll eignet sich besonders für Anwendungen mit vielen verteilten Datenpunkten und instabilen Verbindungen, da es auch bei schlechter Netzwerkqualität zuverlässig funktioniert.
Für die Übertragung über das Internet kommen TLS-verschlüsselte Verbindungen zum Einsatz. Moderne Fernzugriffslösungen verschlüsseln Daten bereits auf Steuerungsebene, bevor sie das lokale Netzwerk verlassen. Das erhöht die Sicherheit erheblich, da die Daten auch bei einem Angriff auf die Übertragungsstrecke nicht lesbar sind.
Wie sicher ist der Fernzugriff auf industrielle Anlagen?
Der Fernzugriff auf industrielle Anlagen ist bei richtiger Umsetzung sicher, birgt aber spezifische Risiken, die sich von klassischer IT-Sicherheit unterscheiden. Die größten Schwachstellen sind unsichere Zugangsdaten, zu weit gefasste Zugriffsrechte, fehlende Verschlüsselung und mangelnde Netzwerksegmentierung. Mit geeigneten Maßnahmen lassen sich diese Risiken wirksam begrenzen.
Folgende Sicherheitsmaßnahmen sind für den industriellen Fernzugriff besonders relevant:
- Starke Authentifizierung: Zwei-Faktor-Authentifizierung reduziert das Risiko durch gestohlene Zugangsdaten erheblich.
- Minimale Zugriffsrechte: Jeder Nutzer sollte nur auf die Datenpunkte und Funktionen zugreifen können, die er tatsächlich benötigt.
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Daten sollten bereits auf der Steuerung verschlüsselt werden, nicht erst auf dem Übertragungsweg.
- Netzwerksegmentierung: Steuerungsnetzwerke sollten vom allgemeinen IT-Netzwerk getrennt sein, um Angriffsflächen zu minimieren.
- Ausfallsicherheit: Bei Verbindungsunterbrechungen sollten Daten lokal zwischengespeichert und nach Wiederherstellung der Verbindung synchronisiert werden.
- Datenspeicherung in Europa: Für Betreiber in Deutschland und der EU ist die Speicherung in europäischen Rechenzentren aus Datenschutzgründen wichtig.
Ein häufig unterschätztes Risiko bei VPN-Lösungen ist die Breite des gewährten Zugriffs. Gelingt es einem Angreifer, VPN-Zugangsdaten zu stehlen, kann er potenziell auf das gesamte Steuerungsnetzwerk zugreifen. Cloud-basierte Ansätze, die den Zugriff technisch auf freigegebene Ressourcen beschränken, bieten hier ein günstigeres Sicherheitsprofil.
Wann lohnt sich eine Cloud-Plattform für den Anlagenfernzugriff?
Eine Cloud-Plattform für den Fernzugriff auf technische Anlagen lohnt sich immer dann, wenn Sie mehrere Standorte zentral überwachen, Betriebsdaten langfristig auswerten oder Ihr Team standortunabhängig zusammenarbeiten lassen möchten. Auch für Betreiber, die keine eigene IT-Infrastruktur aufbauen wollen, ist der Cloud-Ansatz eine praktische Alternative zu lokalen Serverlösungen.
Konkret sprechen folgende Situationen für eine Cloud-Plattform:
- Sie betreiben Anlagen an mehreren Standorten und möchten alle Betriebsdaten in einer zentralen Oberfläche sehen.
- Sie benötigen eine lückenlose Datenhistorie für Auswertungen, Berichte oder Nachweispflichten.
- Ihr Team soll von verschiedenen Endgeräten und Standorten aus auf Anlagendaten zugreifen können.
- Sie möchten Alarme und Störmeldungen automatisch per E-Mail, SMS oder Push-Benachrichtigung erhalten.
- Sie suchen eine Lösung, die sich ohne Programmierkenntnisse einrichten und betreiben lässt.
- Ihre bestehende Infrastruktur soll nicht ersetzt, sondern um Fernzugriff und Monitoring erweitert werden.
Für kleinere Unternehmen und Kommunen bietet der Cloud-Ansatz einen weiteren Vorteil: Es entfallen Investitionen in eigene Server, deren Wartung und die dazugehörige IT-Infrastruktur. Die Kosten bleiben durch flexible Abonnementmodelle planbar, und die Lösung wächst mit den Anforderungen mit.
Weniger geeignet ist eine reine Cloud-Lösung, wenn Sie regelmäßig direkte Eingriffe in Steuerungsprogramme vornehmen müssen. In diesem Fall empfiehlt sich eine Kombination aus Cloud-Plattform für die tägliche Überwachung und einer ergänzenden VPN-Verbindung für tiefgreifende Wartungsarbeiten.
Fernzugriff auf technische Anlagen mit AnyViz
Wir bei AnyViz haben eine Cloud-Plattform entwickelt, die speziell auf die Anforderungen von Betreibern technischer Anlagen ausgerichtet ist. Unser Ziel ist es, industriellen Fernzugriff und Fernüberwachung so einfach und sicher wie möglich zu machen, ohne dass Sie dafür eine komplexe IT-Infrastruktur aufbauen oder Programmierkenntnisse mitbringen müssen.
Was AnyViz für den Fernzugriff auf Ihre Anlage konkret bietet:
- Verbindung Ihrer Steuerung in wenigen Minuten über gängige Protokolle wie OPC UA, Modbus, Siemens TCP, Beckhoff ADS, MQTT und weitere
- Echtzeit-Visualisierung von Prozessdaten im Browser, ohne Portfreigaben oder feste IP-Adressen
- Integrierte VPN-Funktion für vollständigen Netzwerkzugriff bei Wartungsarbeiten, aktivierbar mit zwei Klicks
- Alarmierung per E-Mail, SMS, Sprachanruf und Push-Benachrichtigung bei Störungen oder Grenzwertverletzungen
- Datenverschlüsselung bereits auf Steuerungsebene sowie redundante Speicherung in zwei europäischen Rechenzentren
- Zentrale Verwaltung mehrerer Standorte und Steuerungen in einer Oberfläche
- Flexible Abonnements für kleine wie große Projekte, ohne langfristige Bindung
Wenn Sie AnyViz in Ihrer Anlage ausprobieren möchten, können Sie jetzt kostenlos registrieren und den vollen Funktionsumfang selbst testen.

